Wo ist die Zeit geblieben?

17.05.2019

Unglaublich – mittlerweile bin ich seit 7 Monaten in Südafrika und kann mir irgendwie nicht erklären warum die Zeit so schnell vergeht. Ich erlebe so viel und doch hab ich das Gefühl, dass mir einige Wochen fehlen. In den letzten Monaten ist Einiges passiert und Vieles hat sich verändert. Ich möchte hier jetzt nur kurz über meine Urlaube sprechen und mehr auf schulische und projektbezogene Themen eingehen.

Im Dezember bin ich zusammen mit meiner WG die Garden Route runtergefahren und wir haben uns viele schöne und interessante Orte entlang der Küste angeschaut. Über den Addo Elepahnt Park, Tsitsikamma, Plettenberg Bay, Knysna, Mossel Bay, Oudtshoorn, Swellendam und Hermanus bis nach Kapstadt haben wir viele Eindrücke sammeln können. Im März hab ich mit zwei Freunden die Wild Coast erkundet und ein paar Tage in den Drakensbergen verbracht. Die Garden Route empfinde ich als sehr europäisiert und auf Tourismus ausgelegt. Die Wild Coast beschreibt für mich mehr das Südafrika, was ich in den vergangenen Monaten kennenlernen durfte. Im April kamen meine Eltern und mein Bruder zu Besuch und wir sind von Kapstadt bis nach Durban hochgefahren. Ich habe versucht ihnen so viel wie möglich zu zeigen und einen kleinen Einblick in mein Leben hier zu geben. Nach 6 Monaten die Familie wiederzusehen war anfangs ein komisches Gefühl. Ich hab mich während der Zeit gefühlt als wäre ich ganz normal im Familienurlaub und jemand hätte mich plötzlich aus dem Leben gerissen und die Zeit zurückgedreht. Als wäre das letzte halbe Jahr gar nichts passiert. Deswegen war ich auch nicht so traurig als ich nach Hause gekommen bin und wieder in die Schule gehen konnte. Zudem kam noch, dass ich die Kinder, meine WG und unsere Freunde in den 2 1/2 Wochen, in denen ich unterwegs war, sehr doll vermisst habe.

Bilder zu meinen Urlauben findet ihr in der Galerie meiner Website:)

In der Schule hat sich in den letzten Monaten sehr viel getan und verändert. Meine Projektpartnerin Maren und ich hatten vor allem am Anfang Startschwierigkeiten was unsere Zusammenarbeit/unser „Teamwork“ angeht. Ich erinnere mich an viele Schulstunden in denen wir die Klassen getrennt (meistens in Jungen und Mädchen) unterrichtet haben und nicht wirklich gemeinsam mit den Kindern zusammengearbeitet haben. Das hat sich allerdings deutlich verbessert und wir haben gemerkt, dass es zu zweit doch viel besser klappt als alleine. Die Kommunkation mit den Kindern war am Anfang eine echte Herausforderung für mich, da die meisten kaum bis gar kein Englisch sprechen (können). Auch jetzt gibt es immer noch Situationen wie diese, aber mittlerweile kann ich damit entspannter umgehen und je besser ich die Kinder kennenlerne, desto einfacher ist es mit ihnen zu kommunizieren und  folgend effektiver und besser zu arbeiten. Es gibt wenig Lehrer an meiner Schule und oft ist es so, dass einige Klassen keinen Unterricht haben, weil der Lehrer nicht da ist. Es kommt vor, dass manche Lehrer mal mehrere Tage hintereinander nicht zur Schule kommen und die Kinder dann den ganzen Tag im Klassenraum rumsitzen und nichts zu tun haben. Wenn wir „Pech“ haben, sind dann gleichzeitig drei bis vier Klassen frei und alle wollen mit uns spielen und Sport machen. Mittlerweile können Maren und ich das ganz gut managen, aber am Anfang war es schwer, 70-80 Kinder ihren Klassen zuzuordnen und dann einigermaßen organisiert zu unterrichten. Meistens versuchen wir dann mit allen was zu  machen, viele Kinder fragen auch einfach nur nach einem Ball um etwas Fußball oder Volleyball zu spielen. Da wir das Sportfeld an unserer Schule leider aktuell nicht nutzen können, weil es total steinig, hügelig und bewachsen ist, können wir nur im Innenhof und auf dem Hang hinterm Schulgebäude Sport machen.

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Sportunterricht
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Rugby in der Schule

Neben der Schule arbeite ich zusätzlich in 3 verschiedenen Nachmittagsprojekten. Mein „größtes“ Projekt ist ein Fußballprojekt in Ilitha, einem weiteren Township in der Nähe von Berlin. Hier trainiere ich drei Mal pro Woche eine Mädchenfußballmannschaft. Die ersten Wochen kamen immer um die 30 Schülerinnen zum Training, darunter auch einige jüngere Mädchen. Die Trainingseinheiten waren sehr chaotisch und unstrukturiert und ich war oft total überfordert und dachte, dass ich hier niemals auch nur ein vernünftiges Training durchführen könne. Und dann auch noch auf Englisch. Egal was ich mir für die Einheiten überlegt hatte, es verlief immer anders als ich es mir vorgestellt habe. Auch wenn die Kinder total lieb sind und sich immer freuen wenn ich komme, hören sie mir oft nicht zu und quatschen während den Übungen, schießen die Bälle einfach weg oder machen nicht vernünfitg mit. Ich habe mir vor allem am Anfang viel zu viel vorgenommen und bin davon ausgegangen, die Mädchen können alle Fußball spielen und ich kann super mit ihnen trainieren. Ich war das irgendwie aus meinen 10 Jahren Fußballerfahrung gewohnt und habe nicht darüber nachgedacht, dass es hier wahrscheinlich anders ist. Schnell wurde mir klar, dass nur wenige einen vernünftigen Pass spielen oder den Ball richtig führen können. Also musste ich ganz von vorne anfangen. Aus den eigentlich nur 90 Minuten Training pro Einheit werden meistens 2 bis 2 ½ Stunden. Das finde ich aber gar nicht so schlimm, da ich so alles Schritt für Schritt mit den Mädels üben kann und wir genug Zeit haben an Dingen zu arbeiten, die noch nicht so gut laufen.

Als ich einmal zum Training kam standen drei Mädchen aus meinem Team auf dem Sportplatz und haben sich unterhalten. Ich bin zu den dreien hingegangen und habe gesehen, dass das eine Mädchen fast am Weinen ist und die anderen beiden sie auslachen. Auf die Frage was los sei haben mir die zwei gesagt, sie sei HIV-positiv. Ich konnte nicht glauben, dass sie deswegen ausgelacht wird und war total geschockt, dass die beiden sich darüber lustig machen. Ich habe sie gefragt, was daran lustig sei und woher sie überhaupt wissen, dass das stimmt. Das wussten sie nichtmal. Ich habe ihnen erklärt, dass man sich über sowas nicht lustig macht und nicht einfach Dinge behauptet, von denen man nicht weiß ob sie richtig sind.

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Donnertags habe ich an der Nobuto Primary School noch ein Basketballprojekt, welches ich zusammen mit Maren leite. Zum Basketball kommen immer sehr viele Schüler, auch welche, die eigentlich gar nicht so gerne Basketball spielen. Die Kinder freuen sich, dass wir überhaupt noch nachmittags was mit ihnen machen, egal um welche Sportart es geht. Vielmehr steht der Spaß im Vordergrund und das sie Zeit mit uns verbringen können. Manchmal gehe ich auch Dienstags noch mit zum Volleyballprojekt, weil die Schüler mich oft fragen, ob ich auch zum Volleyball kommen kann und sie sich freuen wenn ich dabei bin.

Ich habe viele Kinder als sehr lieb, glücklich und dankbar kennengelernt. Ich erinnere mich an einen Farewell im November, bei dem die Schüler mit Urkunden für besondere Leistungen ausgezeichnet wurden. Einige haben angefangen zu weinen, als sie eine Urkunde bekommen haben. Für sie bedeutet so eine Auszeichnung sehr viel und die Freude und Dankbarkeit über die kleinen Dinge, wie eine Urkunde, ist hier sehr groß.

Seit Februar spiele ich ab und zu in East London Fußball in dem Frauenteam einer Universität. Ich versuche 2 Mal pro Woche zum Training zu gehen, das klappt leider nicht immer, da ich ungefähr 40 Minuten fahren muss und nicht immer die Zeit dazu finde. Es macht aber super Spaß hier Fußball zu spielen und so auch etwas Ablenkung vom Alltag zu finden.

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Vergangene Woche hatten wir bereits unser zweites und damit auch letztes Zwischenseminar in Südafrika. Gemeinsam mit unserem Projektmanager Brett waren wir alle zusammen in Hogsback und haben unter anderem über die letzten Monate, gute und schlechte Erfahrungen, unsere Nachfreiwilligen und die Rückkehr nach Deutschland gesprochen. Auch wenn das Seminar nur 2 Tage ging war es schön nochmal alle Freiwilligen zu treffen und sich auszutauschen und etwas Zeit miteinander zu verbringen. ZEIT – dieses Wort beschäftigt mich in den letzten Wochen sehr. Jeder einzelne Tag vergeht wie im Fluge und ich habe ehrlich gesagt ziemlich Angst davor, wenn dieses Jahr hier vorbei ist. Angst davor, zurück nach Deutschland zu kommen. Angst davor, dass Vieles anders ist wenn ich wieder da bin. Dass vielleicht manche Freunde nicht mehr die Freunde sind, die ich vorher gekannt habe versuche ich aktuell zu verdrängen. Aber man merkt stark, welche Menschen sich für einen interessieren und sich ab und zu mal melden und nachfragen, ob alles okay ist und wie es mir so geht. Mir wird oft die Frage gestellt: „Weißt du eigentlich schon was du nach dem Jahr machen möchtest?“ Und ich antworte jedes Mal: „Nein, ich weiß es nicht und ich habe gerade auch nicht den Kopf dazu mir darüber Gedanken zu machen.“ Mir ist klar, dass ich diese Frage nicht ewig vor mir herschieben kann und ich mich zeitnah um meine Zukunft kümmern muss. Ich versuche gerade nur jeden Tag zu genießen und nicht daran zu denken, was nach dem Jahr passiert. Am meisten Angst habe ich aber davor, einige Kinder und Menschen, welche ich hier kennengelernt habe, zurückzulassen und vielleicht nie wieder zu sehen. Dieser Gedanke beschäftigt mich jeden Tag und es wird eigentlich von Tag zu Tag nur schlimmer. Ich versuche so gut es geht nicht über dieses Thema nachzudeken, zumindest tagsüber kann ich mich ganz gut ablenken. Aber spätestens wenn ich abends im Bett liege holt mich die Realität wieder ein und mir wird jeden Abend aufs Neue klar, dass das was ich hier gerade erlebe, nicht für immer ist. Und es nie wieder so sein wird. Ich hätte am Anfang dieser Reise niemals gedacht, dass ich eine so enge Verbindung zu Menschen aufbauen kann. Angefangen von meinen WG-Mitbewohnern, über die Kinder in der Schule/den Projekten, die Lehrer, Freunde und eine ganz besondere Familie, die ich hier kennengelernt habe. Ich kann diesen Satz „Im September gehe ich wieder nach Hause“ nicht aussprechen, da zu Hause jetzt eine ganz andere Bedeutung für mich hat. Wenn ich wieder in Osnabrück bin, da wo ich aufgewachsen, in den Kindergarten und zur Schule gegangen bin, da wo meine Familie wohnt, werde ich hoffentlich sagen können „schon ganz bald fliege ich wieder zurück nach Hause, vielleicht für ein/zwei Wochen, vielleicht auch länger. Nach Hause, nach Südafrika.“

Ich möchte mich auch hier nochmal ganz herzlich bei allen Leuten bedanken, die mich bei meinem FSJ unterstützen und etwas gespendet haben. Ich habe bereits 15 neue Fußbälle für mein Fußballprojekt in Ilitha gekauft. Der Osnabrücker SC hat mir einen Trikotsatz und einige Fußballschuhe für die Mädels zur Verfügung gestellt. Ab jetzt wird nicht mehr in Schulkleidung gespielt:) Maren und ich möchten demnächst die Linien des Netball-Felds an der Nobuto nachstreichen, da man diese kaum mehr erkennen kann, zwei neue Schaukeln für die Schule bauen und einen kleinen Schulgarten für Gemüse anlegen. Anfang Juni findet ein großes Fußballturnier in East London statt, für das weitere Kosten für Transport und Verpflegung anfallen. Generell können wir Turniere und Spiele nur planen, wenn genügend Geld für die Umsetzung vorhanden ist. Deswegen würde ich mich sehr freuen, wenn noch mehr Spenden zusammenkommen damit wir diese Dinge ohne Probleme umsetzen können. Wenn das Geld reicht, würden Maren und ich auch gerne nochmal mit den älteren Klassen unserer Schule an den Strand fahren. Dies ist immer was ganz besonderes für die Kinder, da die wenigsten von Ihnen die Möglichkeit haben ans Meer zu fahren. Die Schüler fragen oft danach, ob wir einen Ausflug an den Strand machen können.

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Ronja hat mit Hilfe ihrer überschüssigen Spenden Farben gekauft und es ist ein Mensch-Ärger-Dich-Nicht Spielfeld an der Nkosinathi P.S. entstanden. Sieht klasse aus, oder?

Jede weitere Spende hilft uns bei der Umsetzung der genannten Ziele, die wir für die restlichen 3 1/2 Monate noch haben, weiter. Wir möchten gerne so viel wie möglich davon umsetzen und es wäre schade, wenn es am Ende an den finanziellen Mitteln scheitert. Auf der Seite „Unterstützung“ findet ihr alle weiteren Infos zu den Spenden. Falls es Fragen gibt könnt ihr mich auch weiterhin per E-Mail (marinaakm@icloud.com) erreichen! 🙂

Vielen Dank und bis bald,

eure Marina!

 

 

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Alltagsleben

19.11.2018

Mittwochmorgen, 6:55 Uhr: Ich wache 5 Minuten bevor mein Wecker klingelt auf, weil es bereits hell ist und die Sonne durch die Gardinen in mein Zimmer scheint. „Zehn Minuten noch, dann stehe ich auf .“ 7:15 Uhr: Erstmal einen Kaffee trinken und frühstücken. 7:30 Uhr: „So langsam kann ich mich mal umziehen und Zähne putzen.“ 7:55 Uhr: „Marina beeil dich, wir müssen los!“ Um 08:00 Uhr beginnt die Pre-School, zu der ich jeden Mittwoch mit Bendix zusammen hingehe.

Pre-School

08:00 Uhr: Wir steigen aus dem Auto aus und werden von dem Hausmeister auf das Gelände der Schule gelassen. Keine 2 Sekunden in der Schule und schon stehen 15 Kinder vor mir, die natürlich erstmal alle umarmt werden möchten. In der Pre-School gibt es zwei Vorschulklassen mit jeweils ungefähr 26 Kindern. Wir arbeiten in der jüngeren Klasse mit Auntie Le-Ann zusammen und unterstützen sie beim Unterricht. Unterricht heisst: Puzzlen, Bausteine richtig sortieren oder verschiedene Muster mit Pins nachbauen. Bevor der Unterricht losgeht wird jeden morgen zusammen gesungen, über das Wetter gesprochen, eine Geschichte vorgelesen, oder für das Krippenspiel geübt. Die Schule ist sehr gut ausgestattet und die Kinder die dort hingehen kommen aus vergleichsweise reicheren Verhältnissen. Sie werden sehr gut auf die Grundschule vorbereitet, die meisten können besser Englisch als die Kinder an meiner Schule. Nach dem Unterricht spielen wir gemeinsam mit den Kindern draußen auf dem sehr gut ausgebauten Schulgelände. Um 10:00 Uhr gehts dann erstmal zurück nach Hause.

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IMG_3204Als ich den ersten Tag in der Pre-School war haben mich zwei Mädchen gefragt, ob ich reich bin. Ich wusste erstmal nicht was ich antworten sollte und habe gefragt wie sie darauf kommen. Die Antwort war: „Because you are white.“ Irgendwie habe ich mich in dem Moment schlecht gefühlt, auch wenn ich dafür ja eigentlich nichts kann. Mir war es plötzlich unangenehm weiss zu sein und ich war schockiert, dass 4-jährige Kinder mich so etwas fragen.

10:10 Uhr: Das zweite Mal frühstücken und danach noch ein bisschen schlafen. 10:45 Uhr: Maren kommt in mein Zimmer rein und weckt mich. „Marina, wir müssen los sonst kommen wir zu spät!“ „Was machen wir heute in der Schule?“ „Ich weiss nicht, lass einfach einen Basketball mitnehmen und dann schauen wir.“ „Ok!“ 10:50 Uhr: Auf gehts zur Schule. Mittlerweile brauchen wir nur noch 10-15 Minuten für den Schulweg.

Schulalltag

Maren und ich arbeiten von 11:00 bis 13:30 an unserer Schule. Einen Stundenplan haben wir nicht, deswegen entscheiden wir spontan welche Klasse wir nehmen. Das Problem ist, dass die wenigsten Klassen Unterricht haben wenn wir zur Schule kommen. Die Lehrer haben oft Meetings oder essen gemeinsam im Lehrerzimmer und die Kinder haben dann nichts zu tun. Wir versuchen das so gut wie möglich zu organisieren, aber es ist schwierig wenn alle Kinder gleichzeitig mit dir spielen wollen. Oft reden wir auch erstmal mit Mr. Mahlulo und unterhalten uns über das Wochenende und alles was passiert ist. Am besten klappt die Arbeit mit den älteren Klassen. Am schwierigsten sind die Schüler aus Grade 4. Die jüngeren Kinder (Grade R und 1) verstehen gar kein Englisch, deswegen können wir nur einfache Dinge mit den Kindern machen. Ich bin sehr glücklich an meiner Schule. Die Schüler sind größtenteils super lieb und hören zu wenn man mit ihnen redet. Natürlich können Kinder auch mal nerven oder frech sein. Ab und zu ist es schon herausfordernd ein einfaches Spiel wie Brennball zu erklären wenn mir nicht alle zuhören.

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Ich hatte bis jetzt einen nicht so schönen Tag an meiner Schule. Es war Freitag und Maren und ich standen im Klassenraum bei Mr.Mahlulo und haben uns mit ihm unterhalten. Plötzlich kam eine Lehrerin mit 3 Schülern aus Grade 4 rein und hat auf Xhosa mit Mr.Mahlulo gesprochen. Wir haben natürlich nichts verstanden, aber an seiner Reaktion hat man gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Er hat uns dann später erzählt, dass die drei Jungs fast ein Mädchen aus deren Klasse vergewaltigt haben. Ich wusste gar nicht was ich sagen sollte, wie können Jungs im Alter von 10/11 Jahren auf so eine Idee kommen? Mr.Mahlulo hat uns erzählt, dass die Kinder zu Hause oft miterleben wie die Eltern Alkohol trinken und dann vor den Kindern miteinander rummachen. Dies sei ganz normal. Trotzdem habe auch er noch nie erlebt, dass Schüler seiner Schule versucht haben ein Mädchen zu vergewaltigen.

Um 13:30 Uhr (manchmal auch früher) fahren Maren und ich dann nach Hause. Mittwochs habe ich nachmittags noch ein Fußballprojekt in Ilitha. Da dies schon um 14:00 Uhr anfängt bleibt mir nicht viel Zeit zum Essen. Also: ganz schnell Nudeln kochen, Bendix von der Schule abholen und dann im Auto auf dem Weg nach Ilitha essen.

Ilitha Soccer Girls

Von 14:00 bis 15:30 habe ich ein Fußballprojekt in Ilitha. Ilitha ist ein Township in der Nähe von Berlin. Dort fahre ich zusammen mit Bendix hin, er trainiert die Soccer Boys und ich die Soccer Girls. Training ist immer Montags, Mittwochs und Freitags.  In meiner Mannschaft sind ungefähr 12 Mädchen im Alter von 10-15 Jahren. Ein paar können schon ganz gut Fußball spielen. Das Training macht super viel Spaß, da ich mich vollkommen auf Fußball konzentrieren kann.

Nach dem Training gehts wieder nach Hause. Den Rest des Tages habe ich frei. Das heißt, dass wir entweder die WG putzen, zusammen spielen, kochen und uns einfach nur ausruhen. Manchmal bin ich so müde, dass ich nach dem Abendessen direkt schlafen gehe. Das ist dann so 20:00 Uhr. Manchmal bleiben wir aber auch länger auf und unterhalten uns noch oder gucken gemeinsam einen Film.

Der Sportplatz an meiner Schule

Eigentlich hat meine Schule ein riesen Sportfeld. Dieses kann man aber leider nicht benutzen, da es total zugewachsen, steinig und hügelig ist. Wir würden das Sportfeld gerne erneuern, damit die Kinder von unserer Schule und aus dem Township wieder vernünftig Sport machen können. Ein Umbau kostet leider sehr viel Geld, deswegen freuen wir uns weiterhin über jede Spende.

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Liebe Grüße, eure Marina!:)

Time passes by

04.10.2018

Marina, wie gehts dir? Was machst du so? Wie ist es in Südafrika? Fragen wie diese haben meine Chatverläufe auf Whatsapp in den letzten 2 1/2 Wochen geprägt. Doch irgendwie wusste ich nie so genau was ich antworten soll. Wo soll man denn anfangen zu erzählen, wenn in den letzten 2 Wochen so viel passiert ist und man das Gefühl hat, dass man schon 3 Monate in Südafrika ist!? So viel kann ich sagen: Mir geht es sehr gut. Heimweh hab ich bis jetzt noch nicht gehabt. Das liegt wahrscheinlich an der coolen WG, in der ich gelandet bin. Wir verstehen uns super und es kommt uns allen so vor, als wenn wir uns schon jahrelang kennen. Die erste Erkältung hab ich schon hinter mir. Dank Helene Fischer musste ich auch schon 4 Tage auf meine Stimme verzichten. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass wir alle (außer Bendix, der hört nur Michael Wendler) große Helene Fischer Fans sind und seit dem wird hier jeden Abend Discofox getanzt – natürlich nur zu Helene Fischer. Okay, ganz so „schlimm“ ist es dann doch nicht. Abends Helene Fischer, morgens Aufräumen, Putzen und Einkaufen. Unglaublich, wie viel Geld man doch ausgibt. Sorry an Mama und Papa, die gehofft haben, dass sich mein Konsumverhalten und die Verantwortung mit Geld umzugehen, über das Jahr verbessern. Essen schmeckt eben zu gut. So langsam gewöhnt man sich an den „African Lifestyle“ – Gerade wenn ich durch das Township fahre, in dem meine Schule liegt, merke ich, dass die Menschen nicht viel haben und trotzdem sehr freundlich und offen sind. Da können wir die noch fehlende Waschmaschine in unserem Haushalt verkraften. Hier wird man oft daran erinnert, dass es eben wichtigere Dinge im Leben gibt.

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„Familienfoto“

 

Die Nobuto Primary School, in der ich zusammen mit Maren arbeite, liegt in dem Township Tshabo, ca. 10 Minuten Autofahrt von Berlin entfernt. Es war ein unfassbares Gefühl als unser Projektmanager Brett mit uns das erste Mal zu unseren Einsatzstellen gefahren ist. Wenn man den ersten Schritt in die Schulen macht und du im nächsten Moment 100 Kinder um dich rum hast, die in den Arm genommen werden wollen, an deinen Beinen hängen und sich so freuen, dass du da bist – alle Emotionen und Gefühle, die in diesem Moment in einem ausgelöst werden, kann man nicht beschreiben. Die Kinder und Lehrer an meiner Schule sind super lieb und Mr. Mahlulo, unser Ansprechpartner an der Nobuto, hat uns mit offenen Armen empfangen. Ich erinnere mich an einen Satz, den er zu uns gesagt hat, als wir mit allen Lehrern zusammen gegessen haben. „When you come to Nobuto you are at home, where your heart is. You are a part of the „Nobuto-Family“. Diese familiäre Atmosphäre bekommt man hier in Südafrika oft zu spüren. Die Menschen sind so offen, du wirst überall gegrüßt und Smalltalk ist ganz normal. Allein die Stimmung in den Supermärkten – manche Leute erledigen ihren Einkauf singend, andere unterhalten sich die ganze Zeit – es ist so anders als in Deutschland. Da hier seit Freitag schon Ferien sind, haben wir noch nicht so viel gearbeitet. So richtig geht es dann erst nach den Ferien los, auch mit den Nachmittagsprojekten.

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Ich freue mich auf alles, was jetzt kommt. Aktuell sind wir viel zu Hause, am Strand in East London oder (wie fast immer) Einkaufen. Ab und zu bekommen wir Besuch von anderen Freiwilligen, welche gerade auf Roadtrips unterwegs sind. Langweilig wird es hier nie, da wir entweder am Putzen sind oder die Kinder beschäftigen, welche täglich vor unserer Tür stehen und mit uns spielen wollen. Wenn wir mal unsere Ruhe brauchen,  spielen die Kinder alleine draußen Fußball oder so. Da wir bis gestern noch kein Wlan hatten war ich selten am Handy. Außer für Whatsapp habe ich es nicht benutzt. Hier hat man einfach durchgehend was zu tun, da bleibt auch kaum Zeit für Instagram oder Snapchat. Aber das ist vollkommen okay.

Die Zeit vergeht so schnell, das Wetter wird immer besser und man gewöhnt sich immer mehr an dieses vielseitige Land.

Liebe Grüße aus Berlin, eure Marina.

Vorbereitung

17.08.2018

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich mich beim ASC Göttingen beworben habe. Nach zwei spannenden Auswahlrunden kam dann Mitte Februar endlich die Zusage für meinen internationalen Freiwilligendienst in Südafrika. Und dann stand auch schon das erste Vorbereitungsseminar in Göttingen an. Ich kann mich noch genau an meine Gedanken kurz vor dem Seminar erinnern. „Wer werden wohl die anderen 35 Freiwilligen sein? In welche Einsatzstelle komme ich? Mit wem werde ich in ein Projekt gehen und mit wem wohne ich zusammen?“ Diese Fragen wurden dann ganz schnell beantwortet und die Freude auf das Jahr steigt seit dem immer mehr an. Neben einigen Workshops und sportlichen Einheiten haben wir uns auf dem Seminar mit vielen trockenen, aber dennoch wichtige Dingen, wie z. B. rechtlichen Rahmenbedingungen und vertraglichen Regelungen, beschäftigt.

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„Berlin-Crew“ Meine Mitfreiwilligen

Das zweite Vorbereitungsseminar in Clausthal-Zellerfeld war dann nochmal aufregender. Wir haben unseren Mentor Brett, welcher in Südafrika für uns da ist, kennengelernt. In unzähligen „PM-Times“ haben wir mit ihm über das Leben in Südafrika gesprochen. Die Stunden mit Brett wurden dann zeitweise von weiteren, wichtigen Einheiten, wie einem Erste-Hilfe-Kurs, interkulturellen Themen oder sportlichem Auspowern, unterbrochen. In unserer Freizeit waren wir am naheliegenden See baden,  haben gemeinsam was unternommen oder uns einfach unterhalten und kennengelernt. Insgesamt kann ich sagen, dass die Woche in Clausthal-Z. eine sehr aufregende und schöne war. Wir sind als sehr große Familie zusammengewachsen und freuen uns unglaublich auf das kommende Jahr. Mir persönlich haben die beiden Vorbereitungsseminare sehr viel gebracht und mir Sicherheit für das Jahr in Südafrika gegeben. Zudem habe ich Menschen kennengelernt, die mir jetzt schon sehr ans Herz gewachsen sind.

Noch vier Wochen – dann geht das Abenteuer endlich los!