Alltagsleben

19.11.2018

Mittwochmorgen, 6:55 Uhr: Ich wache 5 Minuten bevor mein Wecker klingelt auf, weil es bereits hell ist und die Sonne durch die Gardinen in mein Zimmer scheint. „Zehn Minuten noch, dann stehe ich auf .“ 7:15 Uhr: Erstmal einen Kaffee trinken und frühstücken. 7:30 Uhr: „So langsam kann ich mich mal umziehen und Zähne putzen.“ 7:55 Uhr: „Marina beeil dich, wir müssen los!“ Um 08:00 Uhr beginnt die Pre-School, zu der ich jeden Mittwoch mit Bendix zusammen hingehe.

Pre-School

08:00 Uhr: Wir steigen aus dem Auto aus und werden von dem Hausmeister auf das Gelände der Schule gelassen. Keine 2 Sekunden in der Schule und schon stehen 15 Kinder vor mir, die natürlich erstmal alle umarmt werden möchten. In der Pre-School gibt es zwei Vorschulklassen mit jeweils ungefähr 26 Kindern. Wir arbeiten in der jüngeren Klasse mit Auntie Le-Ann zusammen und unterstützen sie beim Unterricht. Unterricht heisst: Puzzlen, Bausteine richtig sortieren oder verschiedene Muster mit Pins nachbauen. Bevor der Unterricht losgeht wird jeden morgen zusammen gesungen, über das Wetter gesprochen, eine Geschichte vorgelesen, oder für das Krippenspiel geübt. Die Schule ist sehr gut ausgestattet und die Kinder die dort hingehen kommen aus vergleichsweise reicheren Verhältnissen. Sie werden sehr gut auf die Grundschule vorbereitet, die meisten können besser Englisch als die Kinder an meiner Schule. Nach dem Unterricht spielen wir gemeinsam mit den Kindern draußen auf dem sehr gut ausgebauten Schulgelände. Um 10:00 Uhr gehts dann erstmal zurück nach Hause.

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IMG_3204Als ich den ersten Tag in der Pre-School war haben mich zwei Mädchen gefragt, ob ich reich bin. Ich wusste erstmal nicht was ich antworten sollte und habe gefragt wie sie darauf kommen. Die Antwort war: „Because you are white.“ Irgendwie habe ich mich in dem Moment schlecht gefühlt, auch wenn ich dafür ja eigentlich nichts kann. Mir war es plötzlich unangenehm weiss zu sein und ich war schockiert, dass 4-jährige Kinder mich so etwas fragen.

10:10 Uhr: Das zweite Mal frühstücken und danach noch ein bisschen schlafen. 10:45 Uhr: Maren kommt in mein Zimmer rein und weckt mich. „Marina, wir müssen los sonst kommen wir zu spät!“ „Was machen wir heute in der Schule?“ „Ich weiss nicht, lass einfach einen Basketball mitnehmen und dann schauen wir.“ „Ok!“ 10:50 Uhr: Auf gehts zur Schule. Mittlerweile brauchen wir nur noch 10-15 Minuten für den Schulweg.

Schulalltag

Maren und ich arbeiten von 11:00 bis 13:30 an unserer Schule. Einen Stundenplan haben wir nicht, deswegen entscheiden wir spontan welche Klasse wir nehmen. Das Problem ist, dass die wenigsten Klassen Unterricht haben wenn wir zur Schule kommen. Die Lehrer haben oft Meetings oder essen gemeinsam im Lehrerzimmer und die Kinder haben dann nichts zu tun. Wir versuchen das so gut wie möglich zu organisieren, aber es ist schwierig wenn alle Kinder gleichzeitig mit dir spielen wollen. Oft reden wir auch erstmal mit Mr. Mahlulo und unterhalten uns über das Wochenende und alles was passiert ist. Am besten klappt die Arbeit mit den älteren Klassen. Am schwierigsten sind die Schüler aus Grade 4. Die jüngeren Kinder (Grade R und 1) verstehen gar kein Englisch, deswegen können wir nur einfache Dinge mit den Kindern machen. Ich bin sehr glücklich an meiner Schule. Die Schüler sind größtenteils super lieb und hören zu wenn man mit ihnen redet. Natürlich können Kinder auch mal nerven oder frech sein. Ab und zu ist es schon herausfordernd ein einfaches Spiel wie Brennball zu erklären wenn mir nicht alle zuhören.

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Ich hatte bis jetzt einen nicht so schönen Tag an meiner Schule. Es war Freitag und Maren und ich standen im Klassenraum bei Mr.Mahlulo und haben uns mit ihm unterhalten. Plötzlich kam eine Lehrerin mit 3 Schülern aus Grade 4 rein und hat auf Xhosa mit Mr.Mahlulo gesprochen. Wir haben natürlich nichts verstanden, aber an seiner Reaktion hat man gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Er hat uns dann später erzählt, dass die drei Jungs fast ein Mädchen aus deren Klasse vergewaltigt haben. Ich wusste gar nicht was ich sagen sollte, wie können Jungs im Alter von 10/11 Jahren auf so eine Idee kommen? Mr.Mahlulo hat uns erzählt, dass die Kinder zu Hause oft miterleben wie die Eltern Alkohol trinken und dann vor den Kindern miteinander rummachen. Dies sei ganz normal. Trotzdem habe auch er noch nie erlebt, dass Schüler seiner Schule versucht haben ein Mädchen zu vergewaltigen.

Um 13:30 Uhr (manchmal auch früher) fahren Maren und ich dann nach Hause. Mittwochs habe ich nachmittags noch ein Fußballprojekt in Ilitha. Da dies schon um 14:00 Uhr anfängt bleibt mir nicht viel Zeit zum Essen. Also: ganz schnell Nudeln kochen, Bendix von der Schule abholen und dann im Auto auf dem Weg nach Ilitha essen.

Ilitha Soccer Girls

Von 14:00 bis 15:30 habe ich ein Fußballprojekt in Ilitha. Ilitha ist ein Township in der Nähe von Berlin. Dort fahre ich zusammen mit Bendix hin, er trainiert die Soccer Boys und ich die Soccer Girls. Training ist immer Montags, Mittwochs und Freitags.  In meiner Mannschaft sind ungefähr 12 Mädchen im Alter von 10-15 Jahren. Ein paar können schon ganz gut Fußball spielen. Das Training macht super viel Spaß, da ich mich vollkommen auf Fußball konzentrieren kann.

Nach dem Training gehts wieder nach Hause. Den Rest des Tages habe ich frei. Das heißt, dass wir entweder die WG putzen, zusammen spielen, kochen und uns einfach nur ausruhen. Manchmal bin ich so müde, dass ich nach dem Abendessen direkt schlafen gehe. Das ist dann so 20:00 Uhr. Manchmal bleiben wir aber auch länger auf und unterhalten uns noch oder gucken gemeinsam einen Film.

Der Sportplatz an meiner Schule

Eigentlich hat meine Schule ein riesen Sportfeld. Dieses kann man aber leider nicht benutzen, da es total zugewachsen, steinig und hügelig ist. Wir würden das Sportfeld gerne erneuern, damit die Kinder von unserer Schule und aus dem Township wieder vernünftig Sport machen können. Ein Umbau kostet leider sehr viel Geld, deswegen freuen wir uns weiterhin über jede Spende.

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Liebe Grüße, eure Marina!:)

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Time passes by

04.10.2018

Marina, wie gehts dir? Was machst du so? Wie ist es in Südafrika? Fragen wie diese haben meine Chatverläufe auf Whatsapp in den letzten 2 1/2 Wochen geprägt. Doch irgendwie wusste ich nie so genau was ich antworten soll. Wo soll man denn anfangen zu erzählen, wenn in den letzten 2 Wochen so viel passiert ist und man das Gefühl hat, dass man schon 3 Monate in Südafrika ist!? So viel kann ich sagen: Mir geht es sehr gut. Heimweh hab ich bis jetzt noch nicht gehabt. Das liegt wahrscheinlich an der coolen WG, in der ich gelandet bin. Wir verstehen uns super und es kommt uns allen so vor, als wenn wir uns schon jahrelang kennen. Die erste Erkältung hab ich schon hinter mir. Dank Helene Fischer musste ich auch schon 4 Tage auf meine Stimme verzichten. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass wir alle (außer Bendix, der hört nur Michael Wendler) große Helene Fischer Fans sind und seit dem wird hier jeden Abend Discofox getanzt – natürlich nur zu Helene Fischer. Okay, ganz so „schlimm“ ist es dann doch nicht. Abends Helene Fischer, morgens Aufräumen, Putzen und Einkaufen. Unglaublich, wie viel Geld man doch ausgibt. Sorry an Mama und Papa, die gehofft haben, dass sich mein Konsumverhalten und die Verantwortung mit Geld umzugehen, über das Jahr verbessern. Essen schmeckt eben zu gut. So langsam gewöhnt man sich an den „African Lifestyle“ – Gerade wenn ich durch das Township fahre, in dem meine Schule liegt, merke ich, dass die Menschen nicht viel haben und trotzdem sehr freundlich und offen sind. Da können wir die noch fehlende Waschmaschine in unserem Haushalt verkraften. Hier wird man oft daran erinnert, dass es eben wichtigere Dinge im Leben gibt.

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„Familienfoto“

 

Die Nobuto Primary School, in der ich zusammen mit Maren arbeite, liegt in dem Township Tshabo, ca. 10 Minuten Autofahrt von Berlin entfernt. Es war ein unfassbares Gefühl als unser Projektmanager Brett mit uns das erste Mal zu unseren Einsatzstellen gefahren ist. Wenn man den ersten Schritt in die Schulen macht und du im nächsten Moment 100 Kinder um dich rum hast, die in den Arm genommen werden wollen, an deinen Beinen hängen und sich so freuen, dass du da bist – alle Emotionen und Gefühle, die in diesem Moment in einem ausgelöst werden, kann man nicht beschreiben. Die Kinder und Lehrer an meiner Schule sind super lieb und Mr. Mahlulo, unser Ansprechpartner an der Nobuto, hat uns mit offenen Armen empfangen. Ich erinnere mich an einen Satz, den er zu uns gesagt hat, als wir mit allen Lehrern zusammen gegessen haben. „When you come to Nobuto you are at home, where your heart is. You are a part of the „Nobuto-Family“. Diese familiäre Atmosphäre bekommt man hier in Südafrika oft zu spüren. Die Menschen sind so offen, du wirst überall gegrüßt und Smalltalk ist ganz normal. Allein die Stimmung in den Supermärkten – manche Leute erledigen ihren Einkauf singend, andere unterhalten sich die ganze Zeit – es ist so anders als in Deutschland. Da hier seit Freitag schon Ferien sind, haben wir noch nicht so viel gearbeitet. So richtig geht es dann erst nach den Ferien los, auch mit den Nachmittagsprojekten.

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Ich freue mich auf alles, was jetzt kommt. Aktuell sind wir viel zu Hause, am Strand in East London oder (wie fast immer) Einkaufen. Ab und zu bekommen wir Besuch von anderen Freiwilligen, welche gerade auf Roadtrips unterwegs sind. Langweilig wird es hier nie, da wir entweder am Putzen sind oder die Kinder beschäftigen, welche täglich vor unserer Tür stehen und mit uns spielen wollen. Wenn wir mal unsere Ruhe brauchen,  spielen die Kinder alleine draußen Fußball oder so. Da wir bis gestern noch kein Wlan hatten war ich selten am Handy. Außer für Whatsapp habe ich es nicht benutzt. Hier hat man einfach durchgehend was zu tun, da bleibt auch kaum Zeit für Instagram oder Snapchat. Aber das ist vollkommen okay.

Die Zeit vergeht so schnell, das Wetter wird immer besser und man gewöhnt sich immer mehr an dieses vielseitige Land.

Liebe Grüße aus Berlin, eure Marina.

Vorbereitung

17.08.2018

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich mich beim ASC Göttingen beworben habe. Nach zwei spannenden Auswahlrunden kam dann Mitte Februar endlich die Zusage für meinen internationalen Freiwilligendienst in Südafrika. Und dann stand auch schon das erste Vorbereitungsseminar in Göttingen an. Ich kann mich noch genau an meine Gedanken kurz vor dem Seminar erinnern. „Wer werden wohl die anderen 35 Freiwilligen sein? In welche Einsatzstelle komme ich? Mit wem werde ich in ein Projekt gehen und mit wem wohne ich zusammen?“ Diese Fragen wurden dann ganz schnell beantwortet und die Freude auf das Jahr steigt seit dem immer mehr an. Neben einigen Workshops und sportlichen Einheiten haben wir uns auf dem Seminar mit vielen trockenen, aber dennoch wichtige Dingen, wie z. B. rechtlichen Rahmenbedingungen und vertraglichen Regelungen, beschäftigt.

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„Berlin-Crew“ Meine Mitfreiwilligen

Das zweite Vorbereitungsseminar in Clausthal-Zellerfeld war dann nochmal aufregender. Wir haben unseren Mentor Brett, welcher in Südafrika für uns da ist, kennengelernt. In unzähligen „PM-Times“ haben wir mit ihm über das Leben in Südafrika gesprochen. Die Stunden mit Brett wurden dann zeitweise von weiteren, wichtigen Einheiten, wie einem Erste-Hilfe-Kurs, interkulturellen Themen oder sportlichem Auspowern, unterbrochen. In unserer Freizeit waren wir am naheliegenden See baden,  haben gemeinsam was unternommen oder uns einfach unterhalten und kennengelernt. Insgesamt kann ich sagen, dass die Woche in Clausthal-Z. eine sehr aufregende und schöne war. Wir sind als sehr große Familie zusammengewachsen und freuen uns unglaublich auf das kommende Jahr. Mir persönlich haben die beiden Vorbereitungsseminare sehr viel gebracht und mir Sicherheit für das Jahr in Südafrika gegeben. Zudem habe ich Menschen kennengelernt, die mir jetzt schon sehr ans Herz gewachsen sind.

Noch vier Wochen – dann geht das Abenteuer endlich los!